Flipped Classroom

In ein paar Jahren, wenn Google seine Datenbanken etwas besser zugänglich macht, kann man tagesgenau in Erfahrung bringen, wann ein bestimmter Begriff das erste Mal im Internet aufgetaucht ist. Im Falle von flipped classroom scheint die Idee vor etwa vier Jahren entstanden zu sein.

Gerade hat Martin Kurz mir per Twitter dieses Konzept wieder in Erinnerung gerufen: Anstelle von Hausaufgaben schauen sich die Schüler den Lehrerinput zuhause als Video an, dafür wird Unterrichtszeit für kollaboratives Lernen frei, und der Lehrer kann eingreifen, wenn es irgendwo klemmt.

Vor vier Jahren gab es zwei große Probleme zu lösen:

  1. Was tun, wenn ein Schüler zuhause keinen Internetzugriff hat?
  2. Was tun, wenn ein Schüler sich das Video zuhause nicht angesehen hat?

Punkt 1 dürfte sich wohl erledigt haben, jedenfalls ab einer gewissen Klassenstufe. (Mit der Einschränkung: bei gymnasialer Klientel.)

Zu Punkt 2 ist mir folgendes eingefallen: Stanfords Online-Vorlesung AI class arbeitet auf der Basis von Youtube-Videos mit zwischendurch gestellten Multiple-Choice-Fragen, die in das Video eingebettet sind. Jeder Hörer der Online-Vorlesung hat einen Account und sammelt durch die Beantwortung der Fragen Punkte. Er erhält unmittelbare Rückmeldung und kann die gegebenen Antworten korrigieren. (Natürlich kann man auf diese Weise alle möglichen Kombinationen durchprobieren, bis man die richtige Antwort gefunden hat; aber bei vielen Fragen und Mehrfachauswahl kann das ziemlich lange dauern.)

Eine solche Frage ist hier zu sehen:

Man sieht auch: Der Produktionsaufwand der Videos hält sich in Grenzen. Anstatt eine computeranimierte Präsentation zu erschaffen und nachträglich zu vertonen, filmt die Kamera über die Schulter des Vortragenden auf ein Blatt Papier, wo von Hand so gearbeitet wird, wie man das auch an der Tafel tun würde. Abbildungen und Diagramme (und auch die Fragen) werden nicht etwa in der Postproduktion eingeblendet, sondern einfach auf zusätzlichen Blättern vorbereitet und ins Bild gelegt.

Auf diese Weise hätte man erstens einen genauen Überblick, wer das Video wirklich angesehen und „bearbeitet“ hat; zweitens kann man durch entsprechende Benotung dafür sorgen, dass es auch wirklich (fast) jeder (fast) immer anschaut.

Ein weiterer Vorteil der Methode: Bei einem 8-minütigen Video mit ein paar eingestreuten Fragen ist jedem Schüler klar, dass er für die Erledigung der „Hausaufgabe“ abschätzbar eben diese ca. 10 Minuten benötigen wird. Bei klassischen Hausaufgaben ist der Zeitaufwand für den Schüler kaum abschätzbar, es gibt auch keinen Statusbalken, und wenn der Schüler mal „nicht weiterkommt“, lenkt er sich gerne für ein paar Minuten mit Youtube, SMS und Facebook ab. Dadurch kommen dann angebliche Hausaufgabenzeiten von drei Stunden und mehr zusammen, die ein Effizienz- und größtenteils auch ein Effektivitätsminimum darstellen.

Je mehr ich darüber schreibe, desto mehr reizt es mich, das ganze sobald wie möglich auszuprobieren.

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Eine Antwort zu Flipped Classroom

  1. Martin Kurz schreibt:

    Danke für diesen (schnellen,) guten Artikel! Klasse! Bin begeistert. Inhaltlich melde ich mich nochmal.

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